Weißnäherei im Frankenwald

Als Mitte des 19. Jahrhunderts große Not im Frankenwald herrschte, beschloss ein eigens einberufenes Komitee der bayerischen Regierung, als Maßnahme zur Arbeitsbeschaffung die Handstickerei – auch Weißnäherei genannt – nach Vorbild des sächsischen Vogtlands einzuführen. Vor allem Mädchen und Frauen ergriffen die Chance, mit dieser allerdings schlecht bezahlten Heimarbeit das karge Familieneinkommen etwas zu ergänzen. Aus dem „Plauisch Nähen“ (die ersten Aufträge wurden von Firmen in Plauen vergeben) entwickelte sich die Handstickerei „Frankenwälder Art“ mit Hohlsaum, Wickel, Rennel, Plattstich, Nadelmalerei, Festonnieren und Monogrammstickerei. Hergestellt wurden hauptsächlich Bett-, Tafel- und Leibwäsche, auch Brautaustattungen. Der Nailaer Fabrikant Oscar Frohmuth ließ sogar zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Tafeldecke mit 60 Speise- und 40 Kaffeeservietten für den spanischen Königshof zum Preis von 28 000 Reichsmark von Nailaer Weißnäherinnen anfertigen. Durch den 1. Weltkrieg, Inflation und Weltwirtschaftskrise gehen viele Stickereibetriebe (Faktoreien) zugrunde. Nach einem kurzen Aufschwung um 1935 erfolgt 1945 der totale Zusammenbruch des Gewerbes.

Sehr beeindruckend sind die Ausstellungsstücke der Weißnäherei.

Weißnäherin
Weißnäherei-Produkte
Tischdecke

 

Sonderausstellung
„Faszination Handarbeit“

(Sommer 2019)

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